Dr. Albert Zimmermann ist Geschäftsführer der russischen Uhde-Tochter OAO Uhde. Ein Gespräch über veränderte Rollen in einem wachsenden Markt.
Herr Dr. Zimmermann, sie ziehen bald um. Das stimmt, zumindest beruflich. Ich bin seit Anfang des Jahres Geschäftsführer für den Vertrieb von OAO Uhde. Bislang habe ich meine Arbeit von der Moskauer Repräsentanz der ThyssenKrupp AG aus erledigt und war außerdem in unserer Zentrale in Dzerzhinsk tätig. Im Juni eröffnet OAO Uhde ein eigenes Büro in der russischen Hauptstadt. Das werde ich leiten und daher künftig in erster Linie von Moskau aus arbeiten.
Warum eröffnet OAO Uhde ein Büro in Moskau? Russland ist nach wie vor sehr zentralisiert: In Moskau sitzen die meisten unserer Kunden, hier fallen die meisten Entscheidungen. Obwohl OAO Uhde schon jetzt Behörden- und Detailengineering sowie Aufträge mit überschaubarem Beschaffungsanteil für Kunden selbstständig abwickelt, waren wir bislang vor allem für die Uhde GmbH tätig, gewissermaßen als verlängerte Werkbank der Muttergesellschaft. Doch inzwischen wächst der Markt für Rohstoffveredelung in Russland stark. Davon wollen wir profi-tieren. Und das geht am besten, wenn wir selbstständiger vor Ort agieren, also in der Lage sind, unsere Technologie eigenständig zu vermarkten, Aufträge zu gewinnen und umfangreichere Abstimmungsprozesse zu gestalten. Wir werden zwar keine Großaufträge komplett alleine stemmen können. Das wird weiterhin von Deutschland aus geschehen. Aber wir wollen in überschaubarem Rahmen das komplette Anlagenspektrum von Uhde anbieten und umsetzen. Bei dieser Entwicklung hin zu mehr Eigenständigkeit ist unser neues Büro in Moskau ein wichtiger Baustein.
Welche Aufgaben werden dort übernommen? Der Schwerpunkt liegt auf Marketing und Vertrieb. Wir treten zunächst mit 15 Mitarbeitern an und werden auch die Aktivitäten der gesamten Uhde-Gruppe in Russland von Moskau aus steuern. Möglicherweise verlagern wir mittelfristig Einkaufsaktivitäten von Dzerzhinsk hierhin. Aber das ist Zukunftsmusik.
OAO Uhde wurde bereits 1994 gegründet. Andere Unternehmen aus dem Segment sind inzwischen ebenfalls in Russland aktiv. Inwiefern greifen Sie denen unter die Arme? Gerade jetzt, wo der Markt boomt und die Perspektiven sehr gut sind, profitieren wir von unserer langjährigen Erfahrung. Wir sind inzwischen nicht nur als Technologiepartner, sondern zunehmend als Berater gefragt auch bei anderen Unternehmen des Segments. Insbesondere Polysius und ThyssenKrupp Fördertechnik sind hier aktiv. Wir stehen bei Bedarf gerne zur Seite, zumal daraus ja durchaus Synergien und fruchtbare Zusammenarbeiten entstehen können.
OAO Uhde ist stark gewachsen und hat heute bereits 340 Mitarbeiter. Was ist die größte Herausforderung der nächsten Jahre? Uns fit zu machen, also Know-how auszubauen, Strukturen zu erweitern, weiter gut qualifizierte Mitarbeiter einzustellen, zu halten und deren Zahl zu erhöhen. Ein stetiger Prozess, bei dem wir in bestimmtem Bereichen bereits gut aufgestellt sind, in anderen aber noch relativ am Anfang stehen. Ziel ist es, dass OAO Uhde von russischen Kunden für alle Facetten des Anlagenbaugeschäfts als kompetenter Partner wahrgenommen wird.
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| Vertriebsexperte | Dr. Albert Zimmermann wird künftig hauptsächlich in Moskau sein. |
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