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DIE GORCH FOCK WIRD 50 JAHRE ALT    
Eine Königin unter den Segelschiffen


Auf See | Die GORCH FOCK zwischen Eisbergen in Neufundland.

1958 lief die GORCH FOCK bei Blohm + Voss in Hamburg vom Stapel. Seitdem ist das Segelschulschiff eine gern gesehenen Botschafterin Deutschlands in den Häfen der Welt. Für die Werft, die heute zu ThyssenKrupp Marine Systems gehört, war der Bau in mehrerer Hinsicht eine Herausforderung. Ein Zeitzeuge erinnert sich.

Zunächst sind die Schritte noch ein wenig zaghaft, bevor sie unentwegt sicherer werden. Immer schneller steigt Arthur Wilhelm Hauschildt die Stufen der Treppe hinauf. Der 83-Jährige macht einen letzten Schritt - und steht im nächsten Moment auf jener Mauer, die den Helgen auf der Werft von Blohm + Voss vom Wasser des Hamburger Hafens trennt. „Hier ist sie vom Stapel gelaufen“, sagt der pensionierte Schiffbauingenieur und deutet auf den großen Schiffsbauplatz. Sein Blick schweift über das Gelände unterhalb der Mauer, die blauen Augen leuchten dabei noch heller als sonst.

Rückblende: Aus der Hand der jungen Taufpatin Ulli Kinau geworfen, zerschellt am 23. August 1958 vor den Augen von 10.000 begeisterten Menschen eine Sektflasche am Bug jenes dreimastigen Schiffes, das seit diesem Tag des Stapellaufs zu einer Königin unter den Segelschulschiffen geworden ist - die GORCH FOCK. Arthur Wilhelm Hauschildt ist zur Zeit des Baus 33 Jahre alt und im Bereich Ausrüstung mitverantwortlich für Planung und Konstruktion der Masten, Segel und des Tauwerks (Takelage). „Wir alle haben gespürt, dass wir an etwas Besonderem mitarbeiten“, berichtet der ehemalige Schiffbauingenieur. In der Tat stellte der Auftrag zum Bau des Schiffes für Blohm + Voss in doppelter Hinsicht eine Herausforderung dar.

Langes Ringen um den Entschluss zum Bau
Die Entscheidung, sich dem Wunsch der damaligen Bundes-marine nicht zu verschließen, fiel nach langem internen Ringen. Eine entscheidende Rolle spielte die Erkenntnis, mit dem Bau des Schiffes einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie und zur Festigung des noch jungen deutschen Staates leisten zu können. Anlässlich des Stapellaufes sprach Friedrich Ruge, der damalige Erste Inspekteur der Bundesmarine, davon, dass die Ausbildung auf einem Segelschulschiff zu Teamgeist und Gemeinschaftssinn erziehe. Sie präge Charaktere und solle dabei helfen, die Kadetten zu Persönlichkeiten zu formen. „Die GORCH FOCK war das erste Marineschiff, dass nach dem Zweiten Weltkrieg bei Blohm + Voss vom Stapel lief“, weiß Arthur Wilhelm Hauschildt.

Sehr kurze Bauzeit
Auch an die zweite Herausforderung kann sich der passionierte Segler, der schon als Dreijähriger von seinen Eltern in einem Hamburger Segelverein angemeldet wurde und auch heute noch regelmäßig mit seinem Boot auf der Elbe unterwegs ist, gut erinnern: „Die vorgegebene Bauzeit war sehr kurz, wir hatten alle Hände voll zu tun.“ Hinzu kam, dass es an Fachkräften mangelte; Spezialisten wie Hauschildt, der bereits zuvor für die Takelage anderer großer Segelschiffe verantwortlich zeichnete, waren rar gesät. „Und auch die Zerstörungen durch den Krieg waren noch längst nicht alle repariert, manchmal mussten wir ganz schön improvisieren.“ Doch auf der Werft herrscht Aufbruchstimmung und nach nur 103 Tagen ist der stählerne Rumpf des neuen Schiffes fertig gestellt.


   


Einst und jetzt | Die GORCH FOCK auf dem Helgen von Blohm + Voss kurz vor dem Stapellauf im August 1958. 50 Jahre später steht Arthur Wilhelm Hauschildt an der selben Stelle. Der heute 84-jährige war beim Bau des Schiffes im Bereich Ausrüstung tätig.

Ortswechsel: In der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes von Blohm + Voss Shipyards steht Arthur Wilhelm Hauschildt neben einem großen Modell der GORCH FOCK. Fast schon andächtig wandert sein Blick über die Masten und die Segel, in der rechten Hand hält er eine Skizze des Schiffes. „Das Tauwerk musste ganz besonders widerstandsfähig sein, das Segelwerk war damals noch aus Baumwolle“, erzählt er, streicht sich die grau-weißen Haare aus dem Gesicht und deutet mit der Skizze in der Hand auf den Großmast des Schiffes. Erst Ende der 70er-Jahre werden die Baumwollsegel gegen modernere aus Polyestertuch ausgetauscht. „Bei der Planung der Takelage kam uns natürlich zugute, dass noch viele Unterlagen und Zeichnungen auf der Werft zur Verfügung standen. Daran haben wir uns orientieren können“, berichtet er weiter. Das neue Segelschulschiff sollte weitgehend den vier bewährten Vorbauten gleichen. Allerdings flossen in die Konstruktion GORCH FOCK noch die damals neuesten Erkenntnisse im Hinblick auf Stabilität und Sicherheit ein. Nur 181 Tagen nach der Kiellegung am 6. März 1958 wird das Segelschulschiff zu Wasser gelassen. 91 Tage später, am 11. Dezember 1958, kann die Marine ihr neues Segelschulschiff übernehmen. „Blohm + Voss hat die Herausforderung gemeistert. War schon eine tolle Zeit damals“, sagt Arthur Wihelm Hauschildt und lächelt. Die blauen Augen leuchten dabei.

   
 
   
 

Daten und Fakten zur GORCH FOCK
Die GORCH FOCK ist eine Bark, verfügt also über drei Masten, und hat eine Gesamtlänge von 89,32 Metern. Die 23 Segel des Schiffes haben eine Gesamtfläche von rund 2.000 Quadratmetern. Die Besatzungsstärke beträgt 269 Personen.

Die GORCH FOCK ist das letzte von insgesamt fünf Schiffen der nach ihr benannten Klasse. Der Urtyp dieser Segelschulschiff-Barken, die erste GORCH FOCK, lief 1933 vom Stapel und liegt mittlerweile im Hafen von Stralsund zur Restaurierung. Die weiteren Schiffe sind die EAGLE (Stapellauf 1936), die SAGRES (Stapellauf 1937) und die MIRCEA (Stapellauf 1938). Diese drei Schiffe sind ebenfalls noch als Segelschulschiffe für die Marinen der USA, Portugals und Rumäniens unter Segeln.

Die GORCH FOCK, deren Heimathafen Kiel ist, wurde Anfang des Jahres generalüberholt und wird im Rahmen ihres 50-jährigen Jubiläums Ende Juni an der Kieler Woche sowie im August an der Hanse Sail in Rostock teilnehmen. Anfang September wird das Segelschulschiff dann zu den offiziellen Feierlichkeiten in Hamburg erwartet.



 


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Stand: 04.07.2008